Ratgeber · 5 Min. Lesezeit
Kindergeld anlegen: Was aus 259 Euro im Monat bis zum 18. Geburtstag werden kann
Kindergeld 2026 im ETF-Sparplan anlegen: Rechnung für 259, 100 und 50 Euro im Monat bei 4, 6 und 8 % Rendite, Kinderdepot oder Elterndepot, Steuern – und was die Frühstart-Rente ändert.
Von Sandro Günther · veröffentlicht 3.10.2026 · zuletzt geprüft 3.10.2026 · Grundlage: Einkommensteuergesetz (§§ 32, 62, 66 EStG), Bürgerliches Gesetzbuch, eigene Modellrechnung – Stand 2026
Das Kindergeld beträgt 2026 259 Euro im Monat je Kind (§ 66 EStG). Viele Familien brauchen es für den Alltag – andere können einen Teil davon zur Seite legen. Wer das tut, sollte es nicht auf dem Girokonto liegen lassen: Über 18 Jahre macht die Anlageform einen fünfstelligen Unterschied.
Was daraus werden kann: die Rechnung
Modellrechnung: monatlicher Sparplan ab der Geburt bis zum 18. Geburtstag (216 Raten), gleichbleibende Rate, Kosten 0,3 % pro Jahr, Werte vor Steuern und gerundet.
| Monatlich angelegt | eingezahlt bis 18 | Wert mit 18 bei 4 % | bei 6 % | bei 8 % |
|---|---|---|---|---|
| 259 € (ganzes Kindergeld) | 55.944 € | 79.300 € | 97.200 € | 120.300 € |
| 100 € | 21.600 € | 30.600 € | 37.500 € | 46.500 € |
| 50 € | 10.800 € | 15.300 € | 18.800 € | 23.200 € |
Wer erst ab dem 6. Geburtstag spart, hat nur 144 Raten: Aus 100 Euro im Monat werden bei 6 % dann rund 20.600 Euro statt 37.500 Euro. Der frühe Start bringt mehr als eine höhere Rate.
Zur Einordnung: 6 % pro Jahr entsprechen grob dem, was breit gestreute Aktien-ETFs über lange Zeiträume in der Vergangenheit erzielt haben. Eine Garantie ist das nicht; in einzelnen Jahren sind Verluste von 30 % und mehr möglich. Das Kindergeld war in früheren Jahren niedriger, die Rechnung nimmt den heutigen Betrag als festen Wert an. Eigene Zahlen rechnet der Rechner durch.
Wem gehört das Kindergeld?
Rechtlich den Eltern: Anspruch auf Kindergeld hat der Elternteil, nicht das Kind (§ 62 EStG). Gezahlt wird es bis zum 18. Geburtstag, in Ausbildung oder Studium unter Umständen bis 25 (§ 32 Abs. 4 EStG). Daraus folgt die wichtigste Entscheidung:
- Anlage im Kinderdepot: Jede Überweisung ist eine Schenkung an das Kind. Erträge laufen über die Freibeträge des Kindes, aber das Geld lässt sich nicht zurückholen, und mit 18 verfügt das Kind allein darüber.
- Anlage im eigenen Depot der Eltern: Das Geld bleibt bei den Eltern und kann später gezielt übergeben werden, etwa für Führerschein, Studium oder die erste Wohnung. Die Erträge laufen über die Freibeträge der Eltern.
Wie beides im Detail abläuft und was am 18. Geburtstag passiert: Kinderdepot eröffnen.
Steuern: Bei kleinen Raten kein Thema, beim ganzen Kindergeld schon
Im Kinderdepot bleiben laufende Erträge bis 1.000 Euro im Jahr mit Freistellungsauftrag steuerfrei. Bei 50 oder 100 Euro im Monat reicht das über die ganze Laufzeit. Wer das volle Kindergeld anlegt, kommt gegen Ende in andere Größenordnungen: Ein Verkauf von 97.000 Euro Depotwert mit rund 41.000 Euro Gewinn überschreitet in einem Jahr den Sparer-Pauschbetrag deutlich und kann die beitragsfreie Familienversicherung gefährden (Grenze 2026: 565 Euro Gesamteinkommen im Monat). Abhilfe: NV-Bescheinigung, Verkäufe über mehrere Jahre verteilen und vorher bei der Krankenkasse nachfragen. Alle Beträge erklärt die Seite Kinderdepot und Steuern 2026.
So geht es praktisch
- Betrag festlegen, der sicher übrig bleibt – lieber 50 Euro dauerhaft als 259 Euro mit Unterbrechungen.
- Depot wählen: Kinderdepot oder eigenes Depot, siehe oben. Anbieter im Überblick unter Anbieter.
- Sparplan auf einen breit gestreuten ETF einrichten und den Ausführungstag kurz nach dem Kindergeld-Zahltag legen, damit das Geld nicht vorher ausgegeben wird.
- Nicht jedes Jahr umschichten. Der Zinseszinseffekt kommt aus der Zeit, nicht aus dem Timing.
Und die Frühstart-Rente?
Nach dem Regierungsentwurf zahlt der Staat für Kinder ab dem Jahrgang 2020 vom 6. bis zum 18. Geburtstag zusätzlich 10 Euro im Monat in ein eigenes Vorsorgedepot – unabhängig davon, was mit dem Kindergeld geschieht. Dieses Geld ist für die Rente gebunden. Kindergeld, das für Ausbildung oder Start ins Leben gedacht ist, gehört deshalb in ein normales Depot, nicht in den Frühstartrente-Vertrag. Den Unterschied zeigt der Vergleich Frühstartrente vs. Junior-Depot; Rechnungen für feste Raten stehen etwa unter 50 Euro im Monat und 100 Euro im Monat.
Kurz gefragt
- Wie viel Kindergeld gibt es 2026?
- 259 Euro im Monat für jedes Kind (§ 66 EStG).
- Was wird aus dem Kindergeld, wenn man es 18 Jahre anlegt?
- Wer 259 Euro im Monat ab der Geburt in einen ETF-Sparplan steckt, zahlt 55.944 Euro ein. Bei angenommenen 6 % Rendite und 0,3 % Kosten pro Jahr ergibt das rund 97.200 Euro mit 18 – ohne Garantie, die tatsächliche Entwicklung kann deutlich abweichen.
- Gehört das Kindergeld dem Kind?
- Nein. Anspruchsberechtigt sind die Eltern (§ 62 EStG). Erst wenn sie es auf ein Konto oder Depot im Namen des Kindes überweisen, wird es zum Vermögen des Kindes.
- Kindergeld ins Kinderdepot oder ins eigene Depot?
- Im Kinderdepot gelten die Steuerfreibeträge des Kindes, dafür verfügt es ab 18 allein über das Geld. Im eigenen Depot behalten die Eltern die Kontrolle und versteuern die Erträge selbst.
- Ersetzt die Frühstart-Rente das Anlegen des Kindergelds?
- Nein. Die geplanten 10 Euro im Monat kommen zusätzlich und sind bis zur Rente gebunden. Geld für Ausbildung oder Führerschein braucht ein normales, frei verfügbares Depot.
Quellen
- § 66 EStG – Höhe des Kindergeldes (gesetze-im-internet.de)
- § 62 EStG – Anspruchsberechtigte
- § 32 EStG – Kinder, Freibeträge für Kinder
- § 20 EStG – Sparer-Pauschbetrag
- § 10 SGB V – Familienversicherung
- § 1698 BGB – Herausgabe des Kindesvermögens
Dieser Artikel gibt den Stand des Gesetzentwurfs wieder und ist keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Paragraphen beziehen sich auf das Frühstartrentengesetz in der Fassung des Regierungsentwurfs.
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