Ratgeber · 5 Min. Lesezeit
Ist die Frühstart-Rente sinnvoll? Ehrliche Antwort mit Zahlen
Für die 10 Euro vom Staat: ja, ohne Wenn und Aber. Für eigenes Geld kommt es auf den Zweck an. Was die Frühstartrente bringt, wo sie bindet und für wen ein Junior-Depot besser ist.
Von Sandro Günther · veröffentlicht 25.9.2026 · zuletzt geprüft 25.9.2026 · Grundlage: Regierungsentwurf, noch nicht beschlossen
Die kurze Antwort: Die staatlichen 10 Euro mitzunehmen ist immer sinnvoll. Es kostet Eltern nichts, die Anbieter dürfen bis zum 18. Geburtstag keine Abschluss- und Vertriebskosten erheben, und aus 1.440 Euro Zuschuss werden bis 65 bei 6 Prozent Rendite rund 30.000 Euro. Die lange Antwort hängt davon ab, ob Sie eigenes Geld dazulegen wollen – und wann Ihr Kind es brauchen soll.
Was die Frühstart-Rente leistet
| Fall | Wert mit 18 | Wert mit 65, unangetastet |
|---|---|---|
| nur die 10 € vom Staat (Jahrgang 2020, 6 % Rendite, 0,3 % Kosten) | rund 2.060 € | rund 30.000 € |
| plus 25 € eigener Sparbetrag im Monat | rund 7.200 € | rund 104.000 € |
| plus 100 € eigener Sparbetrag im Monat | rund 22.700 € | rund 330.000 € |
Die Zahlen sind Modellrechnungen mit derselben Formel wie im Rechner; Renditen sind nicht garantiert. Der Hebel liegt nicht in den 10 Euro, sondern in den 47 Jahren zwischen 18 und 65, in denen das Geld unangetastet weiterwächst.
Wo die Frühstart-Rente bindet
- Bis 65 gesperrt. Das geförderte Kapital ist grundsätzlich erst ab dem 65. Lebensjahr auszahlbar (§ 3 FrühStRG-E). Das gilt auch für eigene Einzahlungen in denselben Vertrag.
- Kein Zugriff bei Studium, Führerschein, erster Wohnung. Was das Kind mit 18 oder 25 brauchen soll, hat im Frühstartrente-Vertrag nichts verloren.
- Nur ein geförderter Vertrag je Kind. Der Bundesrat empfiehlt, die steuerliche Begünstigung bis 18 auf einen Vertrag zu beschränken (BR-Drs. 445/1/26).
- Noch nicht beschlossen. Stand 25.9.2026 liegt der Entwurf im Bundestag. Beträge und Jahrgänge können sich noch ändern; zertifizierte Anbieter gibt es erst nach dem Beschluss.
Sinnvoll für wen?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Kind ab Jahrgang 2020, Eltern wollen nur den Zuschuss | Vertrag abschließen, sobald Anbieter zertifiziert sind. Kein Nachteil, nur Vorteil. |
| Eltern sparen zusätzlich für Ausbildung oder Auszug | Eigenes Geld in ein Junior-Depot, nicht in den Frühstartrente-Vertrag. Beides parallel ist erlaubt. |
| Eltern wollen dem Kind Altersvorsorge mitgeben | Eigenbeiträge in den Frühstartrente-Vertrag sind steuerlich attraktiv (Erträge bis zur Auszahlung steuerfrei), aber bis 65 gebunden. Nur mit Geld, das sicher nicht gebraucht wird. |
| Kind vor 2020 geboren | Keine staatlichen 10 Euro. Ein Junior-Depot mit ETF-Sparplan bleibt der Weg – ohne Zuschuss, dafür ohne Bindung. |
Die häufigste Kritik – und was dran ist
„10 Euro sind zu wenig, um etwas zu bewirken." Stimmt für sich genommen. 1.440 Euro Zuschuss ändern keine Rentenlücke. Der eigentliche Zweck ist ein anderer: Jedes Kind bekommt ein Depot, sieht zwölf Jahre lang, wie Kapital wächst, und hat mit 18 einen Vertrag, in den es selbst weiterzahlen kann. Die Bundesregierung nennt das Finanzbildung; ob das aufgeht, entscheidet sich daran, ob Eltern und später die Kinder selbst nachlegen.
„Das Geld verfällt, wenn man nichts tut." Nur in einem Fall: Wird bis 18 kein Vertrag geschlossen, legt der Bund die 10 Euro kollektiv an, und der Anspruch verfällt, wenn das Kind bis zum 35. Geburtstag keinen Altersvorsorgevertrag schließt (§ 9, § 23 FrühStRG-E). Der Bundesrat fordert eine Warnung vor dem Verfall; ein Vertrag der Eltern erledigt das Problem von vornherein.
Kurz gefragt
- Ist die Frühstart-Rente sinnvoll, wenn ich schon ein Junior-Depot habe?
- Ja. Der Frühstartrente-Vertrag kommt zusätzlich dazu; die 10 Euro vom Staat gibt es nur dort. Das Junior-Depot bleibt für alles, was vor 65 gebraucht wird.
- Lohnt sich eigenes Geld im Frühstartrente-Vertrag?
- Steuerlich ja, praktisch nur mit Geld, das bis 65 nicht gebraucht wird. Für Ausbildung, Führerschein oder Auszug ist ein normales Junior-Depot die bessere Adresse.
- Was passiert, wenn das Gesetz doch nicht kommt?
- Dann gibt es keine Frühstartrente-Verträge und keine 10 Euro. Wer heute schon ein Junior-Depot bespart, verliert nichts. Wir aktualisieren diese Seite nach jeder Lesung.
Quellen
- Gesetzentwurf der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7864 (07.09.2026)
- Regierungsentwurf, BR-Drs. 445/26 (14.08.2026)
Dieser Artikel gibt den Stand des Gesetzentwurfs wieder und ist keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Paragraphen beziehen sich auf das Frühstartrentengesetz in der Fassung des Regierungsentwurfs.
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